Den Trierer Domherren schmeckte der Lehmener Wein vorzüglich

Bereits vor 900 Jahren feierte der kleine Untermoselort ein Weinfest
Von Karl-Josef Spitz

"Mit Schüssel und Licht zum Hof" - so erklang der Ausruf des Boten des Trierer Domkapitels bei Lehmen im Jahr 1016. Denn es war etwas Besonderes geschehen. Der Erzbischof Poppo von Trier (Amtszeit 1016 bis 1047) hatte den Hof bei Lehmen aus den Händen des Diakon Adalbero wiedererlangt und sogleich an das Domkapitel verschenkt.

Das Domkapitel sollte von nun an, vom Hof zu Lehmen, 62 Ohm (etwa 8680 Liter) Wein jedes Jahr erhalten. Außer in schlechten Jahren, in diesen sollte der Bote des Domkapitels die Menge festlegen, die zu entrichten sei. Der Transport erfolgte auf Schiffen des Hofes, die von den Lehmenern beladen wurden. Dies geschah immer dann, wenn der neue Wein gekeltert wurde.


Weinfest geboren

Jeder Lehmener mußte eine Schüssel, ein anderes Gefäß und ein Licht zu diesem Anlaß mitbringen. Denn man feierte dieses Ereignis jedes Jahr aufs neue: Das Weinfest in Lehmen war geboren und fand von nun ab immer an der Mosel statt, vor den Schiffen, die den Wein flußaufwärts nach Trier bringen sollten.

Man feierte dort bis spät in die Nacht und verlud anschließend die 62 Ohm, die sich in 31 Fässern befanden, in die Boote, die sodann von den Hofleuten nach Trier geschifft wurden.

Dort angelangt erhielten sie vom Domkapitel kleine Geschenke für sich und die anderen Lehmener. Die Schiffe brachen danach sogleich auf, um diese zurück an die Untermosel nach Lehmen zu bringen, wo sie unter den Zurückgebliebenen bei ihrer Ankunft verteilt wurden.

An dieser Geschichte sieht man recht schön, wie früher aus purer Lebensfreude Weinfeste entstanden, im Gegensatz zu heute, wo sie lediglich noch dem Wein