Oberin: Es gab keinen Missbrauch

Leiterin der deutschen Karmelitinnen äußert sich zum Kinderheim Lehmen

LEHMEN/BERLIN. Im Fall von angeblichen Misshandlungen im früheren Kinderheim in Lehmen (Kreis Mayen-Koblenz) meldet sich jetzt die deutsche Provinzoberin der Karmelitinnen, Claudia Remki, zu Wort. Die oberste Chefin der deutschen Ordensvertretung weist die Vorwürfe, dass in dem Kloster in den 60er-Jahren Kinder missbraucht und sexuell erniedrigt wurden, entschieden zurück.

"Ich habe so etwas nie beobachtet", versichert Remki, die 1965 für einige Monate selbst als Praktikantin in dem Heim war. Damals waren auch der gebürtige Plaidter Wolfgang Görges und Irmgard Görg aus Ransbach-Baumbach dort. Sie haben in unserer Zeitung schwere Vorwürfe gegen die früheren Schwestern in dem Heim erhoben.

An die beiden kann sich Schwester Maria Claudia nicht erinnern. Allerdings habe ein ehemaliges Heimkind, das heute in Leutesdorf (Kreis Neuwied) lebt, ihr bestätigt, dass beide in Lehmen gewesen seien. Remki hat in einem Schreiben an den Rechtsbeistand von Görg und Görges, Anwalt Thomas Jembrek, ihr Bedauern über mögliche Verfehlungen der Schwestern in Lehmen erklärt: "Die Anschuldigungen machen mich sehr betroffen und beschämt. Gleichzeitig kann ich es fast nicht glauben." Auf ein Gesprächsangebot habe Jembrek aber nie geantwortet.

Nach intensiven Nachforschungen auch bei einer anderen noch lebenden Schwester aus dem Heim steht für Remki fest, dass die Vorwürfe nicht der Wahrheit entsprechen. So habe es sich im Fall von Lehmen nicht um ein Fürsorgeheim gehandelt. In diesen Einrichtungen gab es zwischen 1945 und 1975 erwiesenermaßen Misshandlungen von Kindern. "Lehmen war ein normales Kinderheim", betont Remki. Auch habe es in Lehmen nie Schlafsäle mit 30 Betten gegeben, wie die Zeitzeugen dies berichten.

Und wie erklärt sich Remki, die 34 Jahre lang ein Kinderheim in Vechta (Niedersachsen) leitete, die Vorwürfe? Sie vermutet, dass sich die Vorkommnisse, von denen Görg und Görges berichtet haben, tatsächlich in ihren eigenen Familien abgespielt hätten. "Diese schrecklichen Vorkommnisse sind in der Familie passiert, die Kinder projizieren dies aber auf andere." Dies sei ein psychologischer Reflex, den sie bei vielen Heimkindern beobachtet hat.

"Ich möchte diesen Menschen nicht unrecht tun. Aber in Lehmen wollten wir Heimatlosen nur eine Heimat geben."    Christian Kunst

Heute sendet der SWR in seiner Ländersache ab 20.15 Uhr einen längeren Beitrag zum Kinderheim in Lehmen.

Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz und Region vom 18.02.2010, Seite 3.

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