Lehmer Razejungen pflegen lebendiges Brauchtum

- Jung und Alt gemeinsam im Weinberg -

 


Alle vier Jahre erinnern die Lehmer Razejungen beim traditionellen Misttragen in den kalten Wintermonaten an die mühevolle Arbeit ihrer Vorfahren im Wingert an der Untermosel.
Winter, dass hieß früher harte Arbeit, frieren, Sorge um die Familie, Existenzkampf.
Mit dem Misten, dem Düngen der Rebstöcke mit Stalldung in den Weinbergen der Winzer benachbarter Dörfer brachten sich die damaligen Bruchsteinmaurer aus Lehmen in den beschäftigungslosen Monaten über die Runden. Die fleißigen Handwerker verdienten sich damit zudem ihre Kirmesgroschen, denn Ende Januar, Anfang Februar wird seit Generationen die Sankt Castor Kirmes in Lehmen gefeiert.

Erhielten die Vorfahren der Razejungen im Jahre 1784, wie es im Kirchenbuch der Ober Pfarrkirche Lehmen zu lesen ist, noch 1 rheinischen Florin und 30 Albus für das Mistragen im Weingarten der Kirche, verrichten sie heute diese Arbeit ehernamtlich und mit viel Spaß.

Am 03. März war es in der Lehmener Würzlay wieder soweit. Über 70 Teilnehmer, darunter 20 Schüler des 3. und 4. Schuljahrs der Sankt Georg Grundschule Lehmen mit ihren Lehrern, nahmen mit prominenten Personen aus Wirtschaft und Politik an diesem einmaligen Event an der Terrassenmosel teil. Vertreter des Beethoven Gymnasiums aus Bonn, die einen Schülerwingert in Lehmen unterhalten, gehörten ebenso zu den zahlreichen Gästen.

"Ohne die Kenntnis unserer Vergangenheit gibt es keine Zukunft" sind sich Willi Unschuld und Dieter Möhring einig, die mit der Seniorengruppe der Razejungen seit Jahren die Schüler der Grundschule Lehmen bei der praktischen Arbeit im Wingert "rund ums Jahr" begleiten und der neuen Generation die Arbeit ihrer Vorfahren nahe bringen.

Gerd Ackermann, Weinbergsbeauftragter der Lehmener Interessengemeinschaft und Oberrazejung Ralf Menden zeigten Landrat Dr. Alexander Saftig und dem amtierenden Ehrenrazejung, Josef Rönz, Geschäftsführer der EVM Koblenz, wie man fachmännisch "mit Mist im täglichen Leben" umgeht.

Beim traditionellen Misttragen waren alle Beteiligten begeistert bei der Sache. Es wurde einiges gelernt und Jung und Alt hatten gemeinsam viel Freude. Nach getaner Arbeit beim gemeinsamen Wingertsessen mit "Stampes und Bauchfleisch" im Feuerwehrhaus Lehmen fand noch ein reger Erfahrungsaustausch statt.

Doch nicht nur beim Misttragen sind die Razejungen aktiv. In den letzten Wochen haben sie 9 der 13 Kuhren des Razejungenwingert in der "Würzlay" entbuscht, alte Wingertmauern und -treppen wieder freigelegt bis hin zur Wegführung des im Bau befindlichen neuen Themenwegs "Würzlaysteig". Bei der Anlegung diese einmaligen Steigs an der Untermosel sind sie maßgeblich beteiligt. Darüber hinaus haben sie einen sehenswerten Rastplatz am Fahrradweg, der entlang ihres Wingerts führt, gekonnt mit einer Sitzgruppe und Fasstisch ausgestattet und mit einer kleinen Bruchsteinmauer eingefriedet.

 

Ehrenrazejung Josef Rönz in Aktion

 Ehrenrazejung Josef Rönz in Aktion                                                         

 

Lehmer Razejungen Misttragen

Dieser Haufen musste in den Wingert....

Misttragen 2012


v.l.n.r.: Alexander Wolfshohl; Ehrenrazejung Josef Rönz; Willi Unschuld; Ursula Moog; Paul Ibald

 Die Teilnehmer

Die diesjährigen Teilnehmer (unvollständig)

 Misttragen 2012

Auch Grundschulrektor Marco Britz ist dabei

Misttragen 2012

v.l.n.r.:Willi Unschuld; Wolfgang Herpers; Dieter Möhring

Misttragen 2012

Weinbergsbeauftragter Gerd Ackermann und Landrat Dr. Alexander Saftig

 

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