Neue Schleuse: Bürger befürchten jede Menge Lärm

Infoabend Experten wollen Lehmener beruhigen


Von unserem Mitarbeiter Winfried Scholz

In Lehmen soll in den nächsten Jahren eine zweite Schleuse gebaut werden (die RZ berichtete). Das Interesse an der von Orts- und Verbandsgemeinde (VG) durchgeführten Bürgerversammlung, bei der jetzt Vertreter des für Planung und Bau zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Trier ausführlich über das geplante Vorhaben informierten, war groß. Das katholische Pfarrheim war komplett besetzt.

Vor allem bewegte die Bürger in der sachlich verlaufenen Diskussion die Frage: Welche Lärmbelästigung kommt auf uns zu, insbesondere beim Abtransport des Erdaushubs? Insgesamt fallen 260 000 Kubikmeter an. Die Hälfte wird wieder an Ort und Stelle verfüllt. Die restlichen 130 000 Kubikmeter sollen auf dem Wasserweg ins Saarland transportiert werden. Dazu äußerten einige Zuhörer Zweifel. Vielleicht könnte der Aushub ja auch kostengünstiger auf näher liegende Deponien gebracht werden, auf Tausenden von Lkw, die dann alle durch Lehmen fahren? Hierzu erklärten VG-Bürgermeister Bruno Seibeld und der ebenfalls anwesende Leiter des für den späteren Betrieb zuständigen WSA Koblenz, Günter Werner: „In den Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren steht eindeutig, dass der Aushub über den Wasserweg verbracht werden soll. Wenn der Beschluss so rechtskräftig wird, erfordert jede Abweichung davon ein Planänderungsverfahren.“

Zahlreiche Bürger waren zur Bürgerversammlung ins katholische Pfarrheim nach Lehmen gekommen, wo Vertreter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Trier ausführlich über den geplanten Bau der zweiten Schleuse informierten.Seibeld erklärte, es müssten jedoch auch Ausnahmen möglich sein. Etwa, wenn Wirtschaftsgüter wie Kies ausgebaggert würden, die dann in vergleichsweise kleinen Mengen in der Region etwa zur Befestigung von Waldwegen verwendet werden könnten. Die betroffenen Gemeinden müssten dann aber zustimmen.

Nach den Ausführungen der WSA-Vertreter sind Nachtarbeiten nur in Ausnahmen, etwa bei den weniger lärmintensiven Betonierarbeiten, vorgesehen und müssen von der SGD Nord genehmigt werden. Die Auswirkung von Lärm auf den Menschen habe auch bei der Umweltverträglichkeitsuntersuchung (UVU) eine herausragende Rolle gespielt, erklärte die zuständige WSA-Mitarbeiterin. So dürfen beim Bau nur lärmarme Geräte eingesetzt werden. Dafür gibt es Grenzwerte. „Was ist, wenn es zu laut wird?“, fragte eine Bürgerin. Antwort: „Dann kommen wir und messen nach.“

Ausführlich erklärten die WSA-Mitarbeiter die bautechnischen Maßnahmen und den Bedarf für die zweite Schleuse. Der ergebe sich aus dem deutlich gestiegenen Güter- und Personentransportaufkommen auf der Mosel.

Noch keine genauen Angaben konnten über den Baubeginn gemacht werden. Das hängt unter anderem von der Dauer des noch laufenden Planfeststellungsverfahrens ab und davon, wann der Bund die erforderlichen Mittel in Höhe von 50 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Wenn vermutlich 2015 die neue Fischtreppe gebaut wird, muss, so Seibeld, die gegenüberliegende B 49 gesperrt werden. Zwei Großbaumaßnahmen dürften nicht zusammenfallen. Daher wird 2016 als realistischer Baubeginn für die neue Schleuse angesehen.

Ortsbürgermeister Günter Deis sagte, die Ortsgemeinde habe bereits einen Ausschuss gebildet, der eine Stellungnahme erarbeitet. Er bat außerdem die Bürger, die im Gemeinde- und VG-Rathaus ausgelegten Genehmigungsunterlagen einzusehen, sich zu informieren und bei Bedarf Einwendungen zu erheben.
 
RZ Koblenz und Region vom Freitag, 22. Februar 2013, Seite 23